Jo: ... ja, so viele Fragen an den "Frauenversteher" und viele Antworten für euch!! Grins

Frauen verstehen lernen:

Lektion 1 : Warum können Frauen nicht werfen?

Wenn Frauen einen Tennisball werfen, fliegt er immer nach unten, nie waagerecht oder im hohen Bogen. Ganz ehrlich: Frauen sehen dabei immer ein bisschen grobmotorisch aus. Also fragt man sich doch als Mann, warum können Frauen eigentlich nicht werfen? Der Grund dafür ist, soweit sich das aus der Beobachtung erschließt: Frauen könnten werfen, wenn sie loslassen würden. Beim Werfen sollte der Wurfgegenstand etwa auf dem Scheitelpunkt der Aushohlbewegung, also zirka senkrecht über dem Kopf losgelassen werden. Dann fliegt er relativ weit, was auch von der Kraft und dem Drall und seinem Gewicht abhängt. Das ist die Theorie. Die Praxis ist: Frauen lassen den Ball erst los, wenn der Wurfarm bereits wieder in der Abwärtsbewegung ist, so als wollten sie gar nicht werfen, oder dächten noch darüber nach, oder resignierten. Dieses Phänomen führt übrigens auch dazu, dass man Aschenbecher und Teller niemals gegen den Kopf bekommt, sondern immer vor die Füße. Man könnte sagen: Männer werfen, Frauen schmeißen. Könnte man sagen, aber das wäre zu uncharmant. Also: Die Wahrheit ist, Frauen haben selten Bock, irgendetwas zu werfen. Sie finden die Formel "Kieselstein * Kraft + Zielgenauigkeit = tolle Sache" blöd, albern, doof und beknackt. Darum verabscheuen sie auch Sportarten, in denen es um Ballgefühl geht. Dieses Wort hat sich übrigens ein Mann ausgedacht, wahrscheinlich ein Sportreporter mit Schnurrbart. Und die sind für Frauen ohnehin die schlimmsten Kapriolen der Evolution. Wo sie Recht haben, haben sie Recht, die Frauen. Und wer Recht hat, braucht nichts zu werfen. Kluge Frauen.

Lektion 2: Warum frieren Frauen immer?

Die Schweizer haben Berge mit Schnee und Bergseen, in denen das Wasser nie wärmer wird als 15 Grad. Die kennen sich aus mit Kälte. Und deshalb sagen die Schweizer, wenn ihnen kalt ist nicht "Mir ist kalt", sondern "Ich habe kalt", als sei das eine Krankheit: "Ich habe Mumps, ich habe Masern und ich habe kalt." So gesehen ist die Hälfte der deutschen Bevölkerung krank, und zwar die weibliche. Irgendwie kaum zu glauben, aber Frauen frieren immer. Nicht manchmal immer, sondern immer. Ziehen sich auch oft falsch an, stecken die Füße in Schuhe, die als solche nur durch ihre Sohlen zu erkennen sind. Und wundern sich dann, wenn ihre Zehen sich anfühlen, als könnte man damit Getränke kühlen. Sie legen sich beim ersten Luftzug nach Sonnenuntergang einen Pullover über die Schultern oder eine Decke über die Knie. Kriegen schon beim Cabriofahren blaue Lippen. Woher kommt dieses Dauersiechtum? Hier drei plausible Theorien. Erstens: Frauen sind wechselwarme Geschöpfe, mit von der Evolution zerstörten Thermostaten, können sich also nur langsam an Temperaturschwankungen gewöhnen. Zweitens: Frauen sind dem Permafrost der Gesellschaft weniger gut gewachsen und frieren vor Furcht. Und drittens: Männer haben genetisch bedingt Frostschutzmittel in den Adern. Wunderbare Erklärungsmodelle, die sich im Alltag gut belegen lassen, aber leider nicht wissenschaftlich. Die Wahrheit ist natürlich banaler: Frauen sind meist kleiner als Männer, haben weniger Muskeln und Fett zum Speichern der Körperwärme und müssen deshalb mehr Energie produzieren, um sich zu wärmen. Trifft aber eben nicht auf jede Frau zu. Bulgarische Kugelstoßerinnen zum Beispiel oder chinesische Schwimmerinnen frieren nie. Haben zu viele männliche Hormone. Die Glücklichen.

Lektion 3: Warum müssen sich Frauen so oft umziehen, bis sie ausgehen?

Da macht man sich Gedanken drüber. Man hat ja viel Zeit, während man so vor sich hin wartet. Da kommt man sich vor wie "der Denker". Der von Auguste Rodin, der den Kopf auf die Hand stützt. Ein unvergleichliches Kunstwerk. Genau wie meine Frau. Und da habe ich schon die Antwort. So: An Kunstwerken muss ja doch sehr lange gearbeitet werden. Und wenn eine Frau ein Kunstwerk ist, dann muss es demnach sehr lange vor dem Spiegel stehen, bis es "Fertig!" ruft. Daran muss man immer denken, wenn aus oben genannter Frage ein Vorwurf zu werden droht.
Der künstliche Prozess beginnt mit dem Satz: "Ich hab´ nichts anzuziehen", was erstens nicht stimmt und zweitens auch sofort durch die Berge von Klamotten widerlegt wird, die zur Diskussion stehen. Die Aufführung beginnt mit einer leicht abgewandelten Version des Outfits, mit dem sie bereits den ganzen Tag hoch zufrieden `rum läuft: Rock aus, Rock an, alles andere bleibt. Jedoch: Der Rock ist alt. Jedenfalls im Vergleich zum Oberteil, das ist nämlich neu. Der ebenfalls neue, dazu passende Rock hat leider einen Schokoladeneisfleck. Also neues Oberteil und alter Rock aus und was anderes an. Darauf macht sie vor dem Spiegel ein Gesicht, als habe sie ein Glas Buttersäure getrunken. "Das sieht nicht aus." Da ich der Schenker dieser nicht billigen Kombination war, bin ich naturgemäß beleidigt und verzichte auf den dritten, vierten und fünften Akt. Beim sechsten stelle ich fest, dass zumindest das Oberteil Nummer eins jetzt wieder zur Debatte steht. Mit Jeans nun. Jeans sind ein heikles Thema, weil sie gleichzeitig als Kleidungsstück und Körperwaage benutzt werden. Wer trägt schon gerne eine Waage? Also Jeans aus, Flanellhose an. Entzückend. Aber nicht mit den Schuhen. Es werden dringend Schuhe gebraucht. Höchste Dringlichkeit. Wir haben da: Turnschuhe, Schuhe mit Absatz, mit hohem Absatz und ohne Absatz. Zum Schnüren, Drücken, Reinschlüpfen, aus Leder oder Nylon oder Plastik oder allem, mit Klettverschlüssen oder Riemchen, vorne oder hinten oder überall offen oder ganz geschlossen. Also alles wieder aus. Und an. Und aus. So ein Kunstwerk wird in winzigen Schritten modelliert und immer, wenn ich glaube, jetzt ist es ganz fertig, kommt noch etwas dazu. Oder weg.
Das war beim Denker von Rodin auch so. Ganz ursprünglich sollte seine Skulptur "Der Bowlingspieler" heißen. Durch ausdauerndes Arbeiten und immer neue Veränderung des Materials entstand aber etwas gänzlich anderes und am Ende schließlich der Denker, worauf Rodin ein Bier trank und sich sagte: "Na ja, sieht nicht ganz aus wie ein Bowlingspieler, aber was soll's. Kräht eh kein Hahn danach."
In diesem Punkt ist meine Frau anders. Wenn sie, also wenn sie wirklich irgendwann fertig ist, dann krähen alle Hähne. Die ganze Nacht.